Mittwoch, 8. August 2007
Interview mit Ultramarathon Man Dean Karnazes
Ein Leben am Limit!
Bildquelle: © Dean Karnazes
Er ist einer der schärfsten Männer im Sport, so beschreibt die amerikanische Sport's Illustrated Woman den Langstreckenläufer, der kürzlich 50 Marathons an 50 aufeinanderfolgenden Tagen in 50 Bundesstaaten (Foto: Stowe Marathon Vermont) der USA lief!
Jetzt gibt es für alle Sport- und Laufbegeisterten seine mitreißende Lebensgeschichte zum Nachlesen. Ein mitreißender, emotionaler Bericht, der nicht nur einen Einblick in das Seelen- und Trainingsleben eines Extremsportlers gibt, sondern den Leser auch dazu motiviert, den Mut zu haben, die eigenen Träume zu leben.
Wer ihn persönlich erleben möchte, hat dazu am 09.08.2007 in München die Gelegenheit. Im The North Face® Store in der Sendlingerstraße 11 wird er zwischen 17.30 und 20.00 Uhr sein Buch signieren (42zwei.com berichtet am 01.08.2007 "Fittester Mann der Welt in München") .
Vorab haben wir einige Fragen an Dean Karnazes gestellt: Zu seinen 50 Marathons an 50 Tagen, einer Pizza im Outback und nach einem Tipp, wie man Geschmack am Laufen findet.
Herr Karnazes, was geht Ihnen durch den Kopf, während Sie durch Wüsten, einsame Gegenden und über hohe Gebirgsketten laufen?
Ich genieße es in der Natur zu sein und fühle mich in bester Verfassung, während ich durch unberührte Gegenden laufe oder mich extremen Witterungsbedingungen aussetze. Während des Laufens bin ich ganz bei mir. Meine Sinne sind lebendig und ich tauche einfach ein in das Erlebnis.
Was macht die Faszination des "Cross-Country" Laufens aus? Was war Ihr persönliches Schlüsselerlebnis, das Sie dazu motivierte, ein Cross-Country Läufer zu werden?
Es ist vergleichbar damit, eine Straße zu nehmen, die kaum befahren ist. Wir spüren das Abenteuer auf, und meiden das konventionelles Laufen und die Routine. Wir leben, um den Schmerz zu spüren und bewegen uns ständig außerhalb unserer eigenen Komfortzone. Mein persönliches Schlüssel-Erlebnis war es, als mein Trainer zu mir sagte:"Wenn es sich gut anfühlt, hast du nicht hart genug trainiert. Es ist Voraussetzung, dass es schmerzt wie die Hölle."
Seit ein paar Jahren ist es wissenschaftlich belegt, dass der menschliche Körper während des Laufens, Hormone freisetzt, die glücklich machen. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache als "Runners-high" bezeichnet und Wissenschaftler vergleichen die Wirkung mit der eines Drogenrausches. Sind sie süchtig nach "Laufen"?
Man könnte es vielleicht als eine Sucht ansehen, aber ich könnte mir schlimmeres vorstellen, nach dem man süchtig sein könnte. Momentan ist es mehr als ein tiefes Mitgefühl. Läufer sind sehr leidenschaftliche und getriebene Menschen. Laufen ist auf eine Art wie eine Befreiung.
Das erste Kapitel deines Buches beginnt mit einer unglaublichen Geschichte. Mitten im Niemandsland hast du dir die größte Pizza bestellt, die man dir bringen konnte. Was ist dein durchschnittlicher Verbrauch an Kalorien pro Tag?
Um deine Energie während des Laufens über 30, 40 oder sogar 50 Stunden aufrecht zu erhalten, benötigt man eine ganze Menge Kalorien. Während eines 46 Stunden-Laufes über 200 - Meilen, benötigt mein Körper 28.000 Kalorien. Jedoch hatte ich während dieser Zeit 34.000 Kalorien verbrannt, und obwohl ich der Meinung war, genügend gegessen zu haben, hatte ich dennoch 2 Kilo an Gewicht verloren.
Das größte Ziel der Hobby- Läufer ist es, einmal in ihrem Leben einen Marathon mitzulaufen. Du bist bereits 50 Marathons, in 50 Tagen in 50 Staaten gelaufen. Das ist nicht nur eine sehr beeindruckende Leistung, sondern übermenschlich. Was ist dein stärkster Antrieb, der dich dazu bringt, dich so zu quälen?
Ich war mir nicht sicher, ob es für mich eine Qual werden würde, oder ob ich es nicht doch genießen würde. Aber über die 50 Tage hinweg, wurde mein Körper sogar stärker und mein schnellster Marathon, den ich bis dato gelaufen bin, war der letzte, den ich in 3 Stunden und 30 Sekunden schaffte.
Wegen deiner außergewöhnlichen sportlichen Rekorde bist du zu einer sehr berühmten Persönlichkeit in deinem Heimatland USA geworden. Nutzt du diesen "Promi-Status" um dich selbst für wohltätige Zwecke zu engagieren?
Fast alle meine Läufe sind Wohltätigkeitsveranstaltungen. Meine Berufung ist es, denen zu helfen, die nicht mit Glück gesegnet sind. Ich denke, dass ich mit meiner Fähigkeit dazu bestimmt bin, die Menschheit best möglich zu unterstützen und ich nutze mein "Laufen" in erster Line um anderen, die in Not geraten sind, zu helfen.
Es scheint als hättest du generell eine Vorliebe für Extrem-Sportarten, z. B. Mountainbike und Surfen. Warum sind diese Sportarten so attraktiv für dich?
Ich liebe es in der Natur zu sein. Ich liebe auch das Ungezwungene, wenn man draußen in der Natur ist, besonders dann, wenn die Natur ungezähmt und wild ist. Einmal bin ich während eines Sturmes windsurfen gewesen. Es war das berauschendeste Erlebnis meines Lebens (und ich überlebte!)
Zum Abschluss des Interviews wäre es super, wenn du unseren Lesern noch verraten könntest, was man machen muss, um Geschmack am "Laufen" zu entwickeln?
Man muss es einfach genießen. Wenn man das Laufen nicht liebt, wird man sehr schnell sein lassen. Ich bin aber davon überzeugt, dass jeder das Gleiche tun kann, was ich tue, wenn man nur Leidenschaft dafür entwickelt. Wenn du Feuer in deinem Herzen hast, wirst du es weit schaffen.



