Freitag, 02. Februar2007
Interview mit Viktor Röthlin aus Kenia
"Never change a winning team"
Bildquelle: © Viktor RöthlinViktor Röthlin, Sie sind jetzt seit dreieinhalb Wochen in Kenia, im Land der Läufer, wie geht es Ihnen?
Ich reiste nun schon zum achten Mal nach Eldoret, eine Stadt welche ca. 350km nordwestlich von Nairobi, an der Grenze zu Uganda liegt. Auf dem Hochplateau von gut 2000m über Meer finde ich ideale Trainingsbedingungen vor. Einerseits scheint die Sonne jeden Tag, bei angenehmen Temperaturen und anderseits gibt es wohl keine Stadt auf dieser Welt, wo so viele Weltmeister und Weltrekordhalter wohnen. Somit habe ich also genügend adäquate Trainingspartner zur Hand.
An welche Gruppe haben Sie sich in diesem Jahr angeschlossen?
"Never change a winning team" und darum habe ich mich auch in diesem Jahr wieder der Gruppe rund um Martin Lel (Halbmarathonweltmeister 2003, Sieger New York Marathon 2003 und London Marathon 2005, Zweiter in London 2006) angeschlossen. Zusammen mit seinem Trainer Claudio Berardelli (Italien), lebe ich in einem Haus in Eldoret. Grundsätzlich jeden zweiten Tag, fahren Claudio und ich frühmorgens nach Kapsabet (45km von Eldoret entfernt), wo ich dann alle harten Einheiten und die Longruns (30-38km) mit der Gruppe (ca. 30 Leute) absolviere. An den restlichen Tagen trainiere ich in Eldoret, entweder alleine oder mit ein paar Jungs die bei uns im Haus leben.
Wenn man Kenia hört, dann stellt man sich schnell einmal die Frage wie sieht es dort mit dem Essen und dem alltäglichen Leben aus? Der Kontrast zur Schweiz muss enorm sein!?
Der Kontrast zur Schweiz ist wirklich enorm. Als ich nach meiner Landung in Nairobi mit einem Matatu (Taxis in Kenia) nach Eldoret hochfuhr, wurde mir schnell wieder klar das ich mich hier ein einer total anderen Welt befinde. Einerseits tut mir dieser Kontrast gut, man ist wieder dankbar für das was man zu Hause alles hat und anderseits stimmt es mich natürlich auch nachdenklich. Die Verteilung auf dieser Welt ist nicht wirklich gerecht!
Grundsätzlich hat sich Eldoret in den letzten neun Jahren aber gewaltig verändert. So gibt es nun mittlerweile einige richtig gute Supermärkte, in denen man sogar "Toblerone" kaufen kann, so dass ich eigentlich rein kulinarisch fast so essen kann wie zu Hause. Dadurch, dass ich selber koche, verändert sich mein Menüplan nicht gross. Das einzige was ich wirklich vermisse, ist grüner Salat. Brot backe ich täglich selber, somit muss ich nur selten das hier erhältliche Toastbrot essen. Übrigens, aus der Schweiz nehme ich nur zwei Sachen an Lebensmittel mit, einerseits Gemüsebouillon und andererseits Thomy Senf. Alles andere findet man, manchmal braucht es nur ein bisschen Geduld.
Für das Jahr 2007 haben Sie sich zwei sportliche Ziele gesetzt. Einerseits den Marathon von Zürich und andererseits die WM in Osaka (JPN). Wie laufen die Vorbereitungen für den 1.April bzw. den Zürich Marathon?
Durch den Sieg beim Post-Cup 2006 kam ich schon mit einem sehr guten Schnelligkeitsniveau nach Kenia. Die Wettkämpfe im November und Dezember über für mich relativ kurze Distanzen hatten dazu beigetragen. In den letzten Wochen habe ich nun versucht, diese Schnelligkeit auf längere Distanzen umzusetzen. Dies gelang mir sehr gut und von dem her bin ich schon jetzt sehr zuversichtlich, dass ich am 1. April 2007 ein Feuerwerk zünden kann. Dadurch, dass ich nun schon das dritte Jahr mit der gleichen Gruppe bzw. auf den gleichen Strecken trainiere, kann ich auch gut Vergleiche anstellen. Und da kann ich nur sagen, ich bin um einiges weiter als die letzten Jahre. Ich glaube ich bin bereit, in Zürich ein weiteres Kapitel Schweizer Marathongeschichte zu schreiben. Vorausgesetzt natürlich, dass ich gesund bleibe!
Wie sehen nun die verbleibenden Wochen in Kenia aus?
Am Sonntag 4.Februar laufe ich den Halbmarathon von Eldoret. Dieser Wettkampf ist härter als jede Weltmeisterschaft. Sind es an Weltmeisterschaften nur drei Kenianer, laufen hier in der Hauptstadt des Laufsports einige hundert hungrige Kenianer mit. Und alle hoffen natürlich, dass sie entdeckt werden! Nach diesem Wettkampf bleiben mir noch dreieinhalb Wochen, in welchen ich nochmals einen kompletten Trainingsblock absolviere. D.h. Longruns über 30, 35 und 38 Kilometer und sicherlich noch ein paar harte Trainings mit der Gruppe. Am 1. März komme ich zurück in die Schweiz, verlasse diese aber schon am dritten März wieder Richtung Spanien. Dort leite ich zusammen mit Ryffel Running mein Marathonvorbereitungsseminar. Am 17. März findet dann am Kerzerslauf der letzte wettkampfmässige Test über 15 Kilometer statt. Und am 1. April 2007 kann ich dann hoffentlich das Feuerwerk zünden!



