Dienstag, 6. November 2007
Stufen, Singletrails und Schluchtenschrei
Transviamala: 19 km mit 750 hm und 589 Steinstufen
Bildquelle: © Veranstalter"Was soll ich sagen? Alles war perfekt!" Roeland Jansen atmete tief durch und schaute im 160-Seelen Dorf Donat um sich. Dann begann er zu erzählen: vom stimmungsvollen Lichtbildervortrag am Freitagabend in Splügen, von der abenteuerlichen Flaschenpostaktion am Samstagvormittag auf der "Landbrugg" in Hinterrhein, vom anschliessenden Besuch der atemberaubenden Roffla- und Viamala-Schlucht, vom erholsamen Aufenthalt im Mineralbad Andeer sowie von den abwechslungsreichen 19 Kilometern, die ihn soeben von Thusis nach Donat geführt haben.
Zwar nicht ganz so herausfordernd, aber nicht minder reizvoll präsentierte sich der Schamserlauf (cursa da schons), der schon zum 28. Mal zur Austragung gelangte. Die Strecke führt von Donat nach Zillis, Pignia und Andeer zurück zum Ausgangspunkt. Im Ziel bekommen die Teilnehmer - passend zum Thema der Veranstaltung - ein Heublumenbad.
Vergleich mit der Tour de France
Für den Holländer und andere im Rahmen des Projekts eingeladene Rhein-Städter erwiesen sich das häufige Auf und Ab (insgesamt galt es 750 Höhenmeter zu überwinden) sowie die 589 zu meisternden Steinstufen als grösste Schwierigkeit beim "transviamala run & walking". Die Strecke sei zwar traumhaft, "sie verlangte von uns aber alles ab", meinte der Kölner Timo Frehe am Sonntag stellvertretend für die ausländischen Teilnehmer und verwies speziell auf die zahlreichen, stets volle Konzentration erfordernden Singletrails.
Diese hatten zur Folge, dass die Läufer und Walker die - in Worten von Roeland Jansen ausgedrückt - eindrückliche Natur bei technischen Passagen kaum beachten konnten. Dabei entgangene Energieschübe kompensierten sie beim Passieren von Zuschauerreihen. "Die Stimmung war grossartig und meines Erachtens besser als am Köln-Marathon", meinte der routinierte Timo Frehe. Mit einem Grossanlass in seinem Land verglich auch der in der Nähe von Strasbourg wohnhafte Joël Lorentz die Atmosphäre: "Ich wähnte mich zum Teil an der Tour de France."
Wild und Weiberbar
Ein Hauch von Karneval verlieh der Veranstaltung Annett Borchert. Die Kölnerin legte die 19 Kilometer über Stock und Stein im Funken-Mariechen-Kostüm zurück und versetzte die Zuschauer dadurch in Begeisterungsstürme. "Manchmal hatte ich Hühnerhaut", sagte sie. Dies traf zum Teil - allerdings wegen den tiefen Temperaturen - auch auf die Jüngsten am Start zur einzigartigen "cursa da lumpazis" zu. Beim Rennen und Übersteigern der von Schülern gestalteten Hindernisse im Rhein-Parcours bekamen sie dann aber schnell warm.
Für eine kulinarische Besonderheit sorgte Gisula Tscharner mit ihrer Wild und Weiberbar. Den von ihr kreierten "transviamala"-Trunk bot sie gleich in drei verschiedenen Varianten an, wobei Roter Holder aus der Viamala das Grundrezept bildete. Den "bavrànda sàna (die gesunde Kraftquelle aus der Viamala), den "bavrànda intensiva" (das Schluchtenerlebnis zum Trinken) und den "aventura intensiva" (der Schluchtenschrei) genehmigten sich einige Teilnehmer und Zuschauer nach dem genussreichen Verzehr der "transviamala"-Pizokels.
Dank übers Mikrofon
Als "schönsten Lauf, den ich je absolvierte" stufte Agnieszka Sokolowska den "transviamala run & walking" in der persönlichen Hierarchie ein. Neben der "wunderschönen Landschaft" hob die Kölnerin die "super freundlichen Leute" hervor. In die gleiche Richtung zielte die Aussage von Alexander Walterskirchen, welcher dem eingeladenen Quartett aus Bregenz angehörte und der verantwortlichen Uniùn da sport Tumpriv übers Mikrofon einen grossen Dank aussprach. "Der Empfang und die Betreuung während den drei Tagen waren überaus herzlich", sagte er.
Herzlichkeit gebührte am Sonntag auf dem Lande aber nicht nur den Städtern und allen anderen der gesamthaft über 1000 Teilnehmer. Auch die engagierten und umtriebigen Organisatoren, die bei der sechsten Durchführung wiederum einen perfekten Anlass auf die Beine stellten, waren davon nicht ausgeschlossen. Die Szene, als die sehbehinderte Walkerin Erika Kälin aus Einsiedeln im Zielgelände bei eisiger Kälte zwei Samaritern mit einem warmen Händedruck für die Unterstützung dankte, war ein treffendes Beispiel und hätte nicht besser inszeniert werden können.
Streckenrekord und ein Tessiner Triumph
Besonders lohnte sich die Teilnahme am sechsten "transviamala run & walking" für Jonathan Stampanoni (Bigorio) und Ruth Gavin Schneider (Chesalles-Moudon). Die beiden konnten sich bei ihrem ersten Start auf der 19 Kilometer langen Hauptstrecke von Thusis nach Donat gleich als Sieger feiern lassen. Die in der Westschweiz lebende Ostschweizerin Ruth Gavin-Schneider stellte mit 1:33:35 Stunden gar noch einen neuen Streckenrekord auf. Die bis am Sonntag gültige Bestmarke lag bei 1:33:54, aufgestellt hatte sie Astrid Amstad (Dinhard) vor drei Jahren.
Die inoffizielle Bezeichnung "beste Bündnerin" wurde Monika Kamm-Zimonyi zuteil; die Läuferin aus Madulain bewerkstelligte mit 1:43:35 die fünftbeste Zeit. Aufs Podest reichte es ihrem Mann Jan Kamm, dem Gewinner von 2004. Als Dritter büsste er 3:40 Minuten auf den siegreichen Tessiner Jonathan Stampanoni ein, vom zweit klassierten Trimmiser Remo Ruf trennte ihn gut eine Minute. Zu einer reinen Bündner Angelegenheit entwickelte sich der 28. Schamserlauf mit Start und Ziel in Donat: Jonas Baumann (Lohn/47:20) und Doris Kropf (Rabius/57:53) liessen auf den zwölf Kilometern die gesamte Konkurrenz hinter sich.
Wer 2008 beim Lauf quer durch die sagenumwobene Viamala-Schlucht dabei sein möchte: Der transviamala run & walking findet am 19. Oktober 2008 statt. Weiter Information und die genauen Ergebnisse 2007 entnehmen Sie der Website der Veranstaltung www.transviamala.ch .



