Frankfurt Marathon
Mittwoch, 24. Oktober 2007
"Gesund durch den Marathon"
Sportgespräch mit Dr. Klaus Gerlach und Herbert Steffny
Bildquelle: © Herbert SteffnyWorum es im Kern geht - salopp formuliert - ist folgendes: Immer mehr Menschen glauben, dass sie vom Bürosessel oder vom Sofa aufspringen und quasi aus dem Stand einen Marathon hinter sich bringen können. "Bei dem Event-Phänomen Marathon glaubt mittlerweile fast jeder, dass er 42,195 Kilometer laufen kann", sagt Dr. Klaus Gerlach, Mannschaftsarzt des Fußball-Zweitligisten Mainz 05, Marathonfinisher und Betreuer am Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saar. Der Mediziner aus Weiler bei Bingen steht mit seiner Meinung nicht alleine. Für Dr. Thomas Wessinghage "ordnen viele Menschen das Laufen falsch ein". Es beginne, so der Europameister von 1982 über 5000 Meter unlängst in der "Süddeutschen Zeitung", als Freizeitbeschäftigung und zur Freude. "Doch plötzlich ergreift sie der Ehrgeiz und sie setzen sich hohe Leistungszeile, oftmals ohne nötige ärztliche Begleitung.
Nichts verharmlosen, nichts aufbauschen!
Ganz nach dem Motto: Jeder ist ein Held, keiner will als Aussteiger verspottet werden. Dabei ist häufig Unvernunft im Spiel, wenn nach Plänen aus dem Internet trainiert wird, ohne die Hilfestellung von erfahrenen Übungsleitern, Trainern und/oder Sportlehrern, anerkannten Sportmedizinern. Dabei ist fachlich fundierte Hilfestellung unabdingbar, wie sie etwa die bewährten Marathonprojekte in Frankfurt und Darmstadt anbieten. In sechs Monaten ein Finisher werden? Bitte schön, aber nur mithilfe professioneller Unterstützung. "Wir wollen ganz bewusst das Risikobewusstsein unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer schärfen", sagt der Frankfurter Renndirektor Jo Schindler. Nichts verharmlosen, nichts aufbauschen, sich der Problematik stellen, lautet die Zielsetzung.
Denn an dem Thema kommt man nicht vorbei. Neun Menschen sind in diesem Jahr gestorben bei Laufveranstaltungen in Deutschland, zuletzt starb am 7. Oktober beim Chicago-Marathon ein 35-jähriger Mann, der bei Kilometer 28 zusammengebrochen war. Chicago 2007, gewiss es Sonderfall aufgrund der Hitze von bis zu 31 Grad Celsius. Doch die Debatte ist ohnehin in vollem Gang. Viele namhafte Mediziner haben sich mittlerweile zu Wort gemeldet, etwa Professor Wilfried Kindermann von der Universität Saabrücken und Dr. Willi Heppe, seit drei Jahrzehnten der Berliner "Marathonarzt" schlechthin. Es mangelt nicht an Hinweisen, Ratschlägen, Warnungen, und vor einigen Wochen hat sogar eine hochkarätige Sportmediziner-Expertenrunde auf der so genannten "Berliner Konsensus-Konferenz" einen umfangreichen Katalog mit Maßnahmenempfehlungen verabschiedet.
Bei krankheitsbedingte Abmeldung - Freistart im Folgejahr
Der Dresdner Kleinwort Frankfurt Marathon hat bereits im Juli reagiert und Zeichen in der Gesundheitsprävention gesetzt. In Zusammenarbeit mit Dr. Gerlach ist ein Elf-Punkte-"Gesundheits- und Trainingscheck" erarbeitet worden, der auf die Homepage www.frankfurt-marathon.com eingestellt wurde. "Wir stehen als seriöser Veranstalter in der Pflicht, unsere Teilnehmer auf die Gefahren hinzuweisen, die falscher Ehrgeiz, unzureichende Trainingsvorbereitung und fehlende ärztliche Kontrolle mit sich bringen", so Renndirektor Schindler. Als Sofortmaßnahme wurde zudem beschlossen, dass bei einer krankheitsbedingten Abmeldung lediglich eine Bearbeitungsgebühr anfällt und im nächsten Jahr ein Freistart gewährt wird.
Ein zweites Mal aktiv geworden ist die Organisation im August mit einem Homepage-Beitrag von Dr. Michael Sroka, dem Kreisverbandsarzt des Deutschen Roten Kreuzes Frankfurt am Main. "Medizinische Notfälle vermeiden helfen.", lautet der Aufsatz des Mediziners. Explizit genannt wurden Symptome, die ein Warnsignal darstellen, aber auch Risikofaktoren aus der ganz persönlichen Anamnese. Nicht zuletzt sind Notfall-Telefonnummern veröffentlicht worden, die vor Ort während der Veranstaltung lebensrettend sein können. Und mittels eines PAR-Q-Fragebogens können Läufer/innen herausfinden, ob sie vor Beginn ihrer körperlichen Aktivität einen Arzt aufsuchen sollten.
Dr. Klaus Gerlach und Herbert Steffny im Sportgespräch am Samstag, 27. Oktober
Bestandteil drei der Aufklärungskampagne des Dresdner Kleinwort Frankfurt Marathon bildet das traditionelle Sportgespräch am Samstag, 27. Oktober, 13 Uhr, im Hotel Maritim. Dr. Klaus Gerlach wird einen Vortrag halten zum Thema "Gesund durch den Marathon" - sicherlich ein Referat, das nicht nur für Szenekenner interessant sein dürfte.
Für den dreimaligen Frankfurt-Sieger, Marathontrainer und Buchautor ("Das große Laufbuch") Herbert Steffny (Foto) ist der Marathon das "Matterhorn des kleinen Mannes". Aber auch er ist der Meinung, dass ein Marathonlauf kein Sonntagsspaziergang sei und keineswegs jeder einen Marathon laufen sollte. Immer mehr nehmen die Vorbereitung nicht richtig ernst. Ohne Geduld und Trainingsfleiß kann die Königsdisziplin der Leichtathletik zum Risiko und Qual werden. In seinem Vortrag "Marathon - Faszination, Phänomen und Vorbereitung" geht er auf die Entwicklung, Trends und Soziologie des Marathonlaufs seit den 80er Jahren ein und gibt Empfehlungen für das optimale Training.



