Great Tibetan Marathon

Dienstag, 15. Januar 2008

Außergewöhnliche Marathon-Herausforderung auf dem Dach der Welt

Der Great Tibetan Marathon in Ladakh

Der 21. Juli 2007 - es ist ein klarer, sonniger Tag - die Sicht auf die in der Ferne liegenden Ausläufer der Himalaya-Eisriesen ist atemberaubend. Nach Sonnenaufgang, gegen 06.30 Uhr, erklingen weithin hörbar die Tempelhörner buddhistischer Mönche. Leise sind aus der Ferne die Segensformeln eines Lamas zu vernehmen und kurz darauf ertönt der Startschuss - es ist wieder soweit - der Great Tibetan Marathon - der Lauf auf dem Dach der Welt hat begonnen!

Marathon-Herausforderung in 3.500 m ü. NN auf dem Tibetischen Hochplateau

250 laufbegeisterte aus aller Welt - davon 10 aus Deutschland, Österreich und der Schweiz - stellen sich auf mehr als 3.500 m Höhe über dem Meeresspiegel einer einzigartigen Herausforderung - 42,195 km Wegstrecke auf dem Tibetischen Hochplateau. Das Feld der Läufer passiert die Startlinie im Innenhof des imposanten Hemis-Klosters an dessen Ende 12 Stufen hinunter bis zur Schwelle des Haupttores führen, die bereits auf den ersten Metern die volle Aufmerksamkeit aller Teilnehmer in Anspruch nimmt. Weitere Stufen folgen, ein steiniger Weg schließt sich an und mündet auf einem kleinen Parkplatz. Der Abstieg vom Klosterberg ist geschafft - die erste Hürde ist genommen!

Flusstal mit Gebetsfahnen zwischen Steinwüste und Farmland

Es folgt ein Streckenabschnitt von etwa 10 km auf überwiegend befestigtem Untergrund - endlich Zeit einen gleichmäßigen Laufrythmus zu finden. Die Luft ist merklich dünner - das Atmen fällt schwerer - doch die Eindrücke ringsum, die Bergsichten auf die Stok Kangri-Kette - sie entschädigen für alle Anstrengungen. Jubelnde Mönche an den Versorgungsstationen (die entlang der Strecke alle 3 Kilometer platziert sind), die Anfeuerungsrufe der Zuschauer, gigantische Ausblicke, mystisch anmutende Mani-Mauern mit heiligen Inschriften und bunte im Wind wehende Gebetsfahnen - eine kaum zu beschreibende Atmosphäre, die diesen außergewöhnlichen Marathon zu einem persönlichen Entdeckungslauf in einer der wohl faszinierendsten Gegenden dieser Erde macht. Stetig geht es zunächst bergab, allmählich rückt der kleine Ort Kharu näher und mit ihm das Indus-Tal mit seinen saftig-grünen, die Flussufer umsäumenden Wiesen.

Marathonstrecke folgt dem Fluss Indus

Der nun folgende Wegabschnitt war einst geteerte Asphaltstrasse, doch die alljährlich im Sommer einsetzende Schneeschmelze und die harten Witterungsbedingungen haben diese im Laufe der Jahre vielerorts mitgerissen. Immer wieder kreuzen kleine, landwirtschaftliche Bewässerungskanäle den Weg und erfordern damit die höchste Konzentration und Körperbeherrschung der Teilnehmer, bevor es vorbeigeht an der Gompa von Stakna. Linkerhand richtet sich der Blick jetzt auf eine karge, steinwüstenartige Landschaft - rechterhand liegt beschauliches Farmland, umgeben von mühevoll aufgeschichteten Lehmziegelmauern.

Der Untergrund wird besser - das Laufen fällt leichter - Zeit etwas zu entspannen. Erneut eröffnet sich ein traumhafter Ausblick - die auf einer Bergkuppe der gegenüberliegenden Indus-Seite gelegene Thiksey-Gompa kommt in Sicht. Nach insgesamt 17 km endet zunächst die befestigte Strasse - die Umgebung der kargen, tibetischen Hochlandschaft wird allmählich von dichter besiedelten Gebieten und kleinen Dörfern in der fruchtbaren Umgebung des Indus abgelöst.

Halbzeit: der sportliche Aspekt des Marathons wird immer stärker

Erste Muskeln machen sich bemerkbar - und umso willkommener richtet sich alle Aufmerksamkeit auf die vorbeiziehenden Bilder der hier lebenden Menschen, die einen intensiven und bleibenden Eindruck in jedem Läufer hinterlassen. Der allgegenwärtige Tibetische Buddhismus mit seinen Stupas, Chörten und Gompas wird stellenweise unterbrochen durch plötzlich und unerwartet auftauchende Moscheen - ein friedliches Aufeinandertreffen von Weltanschauungen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Vereinzelt leuchten sonnengelbe, während des nur kurze Zeit anhaltenden Sommers, noch nicht geerntete Rapsfelder auf, Schatten spendende Bäume laden zu einer kurzen Erholungspause ein.

Noch 14 km bis zum Ziel! Vorbei an einer überdimensional großen Gebetsmühle geht es hinein nach Chusod Yokma. Rechts im Blickfeld überspannt eine verkehrsreiche Brücke den Indus - geschickt umgeht die Laufstrecke den von keuchenden, altertümlichen Lastwagen bevölkerten Highway und richtet sich gen Westen. Holpriger Untergrund immer parallel zu den Ufern des Indus bestimmt die nächsten Kilometer - in Sicht kommt ein typisch ladakhisches Dorf - unverwüstlich und leuchtend seine weißgetünchten Steinhäuser im gleißenden Sonnenlicht. Unzählige Gebetsfahnen, Manimauern und Chörten machen unmissverständlich klar - der Great Tibetan Marathon ist der Lauf auf dem Dach der Welt - der Buddhismus ist allgegenwärtig.

Zwischen tibetanischen Feldern und auf Holzbrücken über den Indus

Noch 10 km bis zur Ziellinie! Kleinere Wege geleiten die Läufer vorbei am Palam Medical Centre hinab an das Indus-Ufer, vorbei an tibetischen Häusern, wo ein kleines Tor den weiteren Wegabschnitt über enge Pfade, zwischen schmalen Feldern und entlang beschaulicher Bauernhöfe markiert, bis sich zwei hölzerne Brücken und eine große, offene Wiese auftun. Am Ende der Wiese ein weißes Gebäude mit Gebetsmühlen, willkommener Anlass zu einer kurzen Rast, um Kraft zu tanken für die letzten 5 km!

Erneut geht es auf Feldwegen an den Ufern des Indus entlang, wie ein roter Faden zieht sich die Lebensader Ladakhs durch den Marathon und begleitet die Läufer auf ihrem langen Weg von Hemis nach Spituk. Endlich auf der rechten Seite kommt das malerische, aus dem 15. Jahrhundert stammende Spituk Kloster in Sicht! Noch eine Brücke, weiter laufen durch das unterhalb der Gompa gelegene Dorf, in dem jetzt zunehmend mehr Menschen die noch verbleibende Wegstrecke säumen, die Zuschauerrufe werden immer lauter, ein weiteres Dorf und der Weg windet sich endlich hinauf. Ein kurzes Innehalten, ein Blick zurück auf die offenen Felder, auf das Indus-Tal, das während der letzten Stunden so viel bedeutet hat. Jetzt nicht aufgeben!

Dänen und ein unvergessliches Finish

Nur noch wenige hundert Meter! Ganz leise ist neben dem eigenen, pochenden Herzschlag schon traditionelle ladakhische Musik zu vernehmen - und dann immer lauter werdende Jubelrufe - ein letztes Mal alle Kräfte mobilisieren für nur noch wenige verbleibende Meter. Jetzt einfach den immer deutlicher werdenden Klängen der Musik folgen! Das Tor der Spituk Gompa, die Ziellinie - endlich geschafft - gefinished - der Great Tibetan Marathon ist bezwungen! Als schnellster Läufer überquert nach 3:22:06 Stunden der Däne Jan Pettersen die Ziellinie am Spituk Kloster - mit einem Vorsprung von 20 Minuten zu seinen Verfolgern. Schnellste Frau des Great Tibetan Marathon wird mit 04:36:57 Stunden Lykke P. Andersen, ebenfalls aus Dänemark.

Nachdem der erste Jubel abgeklungen ist und sich die Herzfrequenz langsam beginnt zu normalisieren, werden alle Teilnehmer zurück nach Leh in ihre Hotels gebracht. Zeit zur Regernation, Zeit die unbeschreiblichen Eindrücke und Emotionen der letzten Stunden ein erstes Mal Revue passieren zu lassen. Gegen 19.00 Uhr treffen sich alle Teilnehmer an den Indus-Ufern zur Siegerehrung mit anschließendem Galadinner in einem eigens zu diesem Anlass aufgebauten Zeltcamp. Thema des Dinners? 1001 Tibetische Nächte - zum Abschluss eines Laufs wie es ihn eigentlich nur im Märchen geben kann.

Reis-Infos zum Great Tibetan Marathon

Der 5. Auflage des Great Tibetan Marathon wird am 19. Juli 2008 stattfinden. Die Gesamtteilnehmerzahl ist aus logistischen Gründen auf 250 Teilnehmer/innen gegrenzt. Anmeldungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden über den Reiseveranstalter und Asienspezialisten Auf und Davon Reisen GmbH abgewickelt. Ausführlich Informationen zur Anreise, Reiseprogramm sowie individuellen Reiseverlängerungen finden Interessierte auf der Website www.auf-und-davon-reisen.de .

Aufgrund der besonderen Höhenlage empfiehlt der Reiseveranstalter eine entsprechende körperliche Fitness und Erfahrung auf der Marathonstrecke. Für alle, denen die klassische Marathondistanz zu weiter erscheint, wird auch die Halbmarathonstrecke bzw. ein Lauf über zehn Kilometer angeboten.

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Quelle: Auf und Davon Reisen/42zwei.com