Am kommenden Sonntag startet Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) als Titelverteidigerin beim Flora London-Marathon. Trotz der verletzungsbedingten Absage von Paula Radcliffe steht in der Damenkonkurrenz ein starkes Feld an der Startlinie. Kurz vor dem Flora Marathon London am Sonntag, 26. April 2009 äußert sich Inrina Mikitenko zum größten Marathon in Großbritannien.
London - Big Ben - Marathon
Mit welchen Zielen gehen Sie beim Flora London-Marathon an den Start?
Irina Mikitenko: Meine Einstellung ist bei jedem Rennen gleich: Ich möchte immer gewinnen - auch am Sonntag. Ich weiß, dass der Flora London-Marathon ein schweres und hartes Rennen wird, aber ich habe mich darauf eingestellt. An den Start zu gehen und zu sagen, vielleicht werde ich Dritte oder Vierte, das ist nicht mein Ding. Ich weiß, dass ich gut trainiert habe und werde mein Bestes geben.
Zu ihren Gegnerinnen gehören am Sonntag unter anderen alle drei Marathon-Medaillengewinnerinnen der Olympischen Spiele von Peking. Was für eine Art von Rennen erwarten Sie?
Irina Mikitenko: Das Frauen-Elitefeld in London ist sicher eines der besten, das es bei einem City-Marathon bisher gegeben hat. Es sind eine ganze Reihe von sehr starken Läuferinnen dabei. Da zuletzt keine von meinen Konkurrentinnen in einem Wettkampf gestartet ist, kann ich nicht sagen, wer am besten in Form ist und die stärkste Gegnerin sein könnte. In London weiß man nie, was kommt: Letztes Jahr habe ich ein schnelles Rennen erwartet, es wurde dann ein taktisches. Man muss für beides bereit sein."
Stehen Sie als Vorjahressiegerin unter spürbar größerem Druck?
Irina Mikitenko: Die Erwartung ist sicherlich größer als vor einem Jahr - aber das kommt auch von mir selbst und aus meinem Umfeld. Ich lasse mich aber nicht unter Druck setzen. Was mir hilft ist, dass ich weiß, was in London auf mich zukommt. Im letzten Jahr war alles neu für mich - von den Meilen-Streckenschildern bis zu den Verpflegungspunkten. Beim zweiten Start ist es immer einfacher. Ich freue mich auf den Flora London-Marathon.
Sie führen auch nach dem Boston-Marathon weiterhin in der dritten World Marathon Majors (WMM)-Serie 2008-2009. Wie genau beobachten Sie die Punktewertung?
Irina Mikitenko: Ich denke nicht so sehr an die WMM, denn ich muss jetzt erst einmal einen guten Wettkampf in London laufen und danach folgt das nächste Marathonrennen. Dann werden wir sehen, wo ich stehe. Aber wenn ich gut laufe, kommen die Punkte von alleine. Natürlich weiß ich, wie ich in der WMM-Serie stehe, denn das ist ja nicht schwer zu errechnen.
Haben Sie durch Ihre großen Erfolge im vergangenen Jahr neue Sponsoren?
Irina Mikitenko: Es gibt seit kurzem eine neue Kooperation mit dem Schweizer Online-Trainingsplaner Vicsystem. In dieses System fließt jetzt mein Trainingswissen und meine Erfahrung ein. Hier erhalten Breitensportler und ambitionierte Läufer individuelle Trainingspläne. Es war immer mein Ziel, mein Wissen weitergeben zu können und damit anderen Läufern zu helfen.
Sie haben wie im vergangenen Jahr in Kirgisien trainiert - wieso ausgerechnet dort?
Irina Mikitenko: Das Trainingsgebiet in Kirgisien kenne ich noch von früher. Als ich in Kasachstan lebte, habe ich schon dort trainiert. Zudem leben meine Schwiegereltern heute noch nicht weit weg, was auch den Vorteil hat, dass sie auf meine kleine Tochter aufpassen können während wir im Trainingslager sind. Entscheidend für Kirgisien spricht, dass ich dort in einer für mich idealen Höhe zwischen 1.600 und 1.700 Metern rennen kann. Das ist genauso hoch wie in St. Moritz, wo ich im Sommer trainiere. In Kirgisien gibt es keinen Schnee und wir hatten dort während der vier Wochen im März praktisch durchweg Sonne und beste Bedingungen. Ich trainiere nicht so gerne in höheren Lagen wie in Kenia oder den USA da die Regenerationszeit dann länger dauert. 1.600 bis 1.700 Meter passen für mich ideal, da kann ich 100 Prozent hart trainieren.
Wie viel haben sie maximal trainiert und wie ist die Form verglichen zum vergangenen Jahr?
Irina Mikitenko: Ich habe den maximalen wöchentlichen Trainingsumfang im Vergleich zum vergangenen Jahr um zehn Prozent steigern können. Bis zu 220 Kilometer bin ich pro Woche gelaufen, am Stück waren es maximal 35. Vergleiche zum letzten Jahr sind schwer, denn es ist nie alles immer genau gleich. Im Januar hatten wir zum Beispiel jetzt viel Schnee, was schwierig war für das Training. Bei meinem 10-km-Wettkampf beim Paderborner Osterlauf hatte ich trotz des Wärmeeinbruchs ein gutes Gefühl und die letzten Tempo-Trainingsläufe waren auch gut. Die Form dürfte so ähnlich sein wie vor einem Jahr.