Beim Zermatt Marathon geht es beständig aufwärts. Das stimmt nicht nur im läuferischen Sinn. 42zwei sprach mit der Geschäftsführerin des Zermatt Marathons, Andrea Schneider. Über den Marathon im Wallis, die Vorbereitung und wie man sich die Strecke optimal einteilt.
Beim Zermatt Marathon wird der Riffelberg einmal im Jahr zur Marathon-Arena.
2002 feierte der Zermatt Marathon Premiere. Mit Dauerregen, Schlamm und Schnee. Seit 2003 ist das Wetter entsprechend der Organisation des Zermatt Marathons: bestens! Das zeigen auch die ständig wachsende Läuferschar, die mit Blick auf das Matterhorn finishen möchte. Am 10. Juli 2010 folgt die neunte Auflage. 42zwei sprach mit Andrea Schneider, Geschäftsführerin des Zermatt Marathons über die anstehende Austragung.
42zwei.com Frau Schneider, in den ersten beiden Jahren war der Gornergrat auf über 3100 Meter Höhe das Ziel des Zermatt Marathons. Danach wurde das Ziel auf den Riffelberg verlegt, etwa 500 Höhenmeter darunter. Es gab Andeutungen, dass 2010 das Ziel wieder auf den Gornergrat zurückkehrt?
Andrea Schneider Das Ziel beim Zermatt Marathon 2010 heißt definitiv Riffelberg. Das gilt auch für die nächsten Jahre. Zum einen ermöglicht die Zielankunft Riffelberg in 2582 Meter Höhe eine wirklich anspruchsvolle Strecke. Andererseits ist die Route aber auch für ambitionierte Hobby-Marathonis machbar. Nochmals 500 Höhenmeter zum Gornergrat war vielen einfach zu schwer. Darüber hinaus ist für uns als Veranstalter der Zugang zum Riffelberg optimaler und logistisch wesentlich besser zu bewerkstelligen.
Also im Ziel Matterhornblick satt!
Ja, auf jeden Fall. Und wem das nicht reicht, der kann ja nach dem Finish mit der Gornergrat Bahn noch nach ganz oben fahren. Das Gletscher-Panorama mit den einrahmenden Bergriesen ist dann der perfekte Abschluss für einen ereignisreichen Zermatt Marathon. Für Läufer und Begleiter!
Der Zermatt Marathon hat ein wirklich veritables Streckenprofil und nicht jeder Läufer hat zur Vorbereitung die Alpen direkt vor der Haustüre. Haben Sie einige spezielle Trainingstipps für uns Flachländer?
Grundsätzlich sollte natürlich das übliche Lauftraining im Vordergrund stehen. Da unterscheidet sich die Vorbereitung für einen Bergmarathon nicht wesentlich vom üblichen Marathontraining. Wer bei sich keine ausgeprägten Steigungen vorfindet, der kann in sein Lauftraining Treppenläufe oder variantenreiche Fahrtspiele im hügeligen Gelände einbauen. Vielleicht lässt sich ja auch die ein oder andere "Bergeinheit" zu Hause finden. Es muss ja nicht gleich eine Passstraße sein.
Das ist schon alles?
An sich ja! Für einen Bergmarathon kann es durchaus von Vorteil sein auch Trainingseinheiten im Kraftraum zu absolvieren. Zum Beispiel sind Stepper und Ergometer im Cardiobereich zweckmäßig. Krafttraining für Oberschenkel, Waden und Gesäß können das Lauftraining ebenso sinnvoll ergänzen. Und wem der Gang in ein Fitnessstudio nicht liegt, der auch kann auf dem Velo trainieren.
Eines lässt sich für die meisten Läufer nicht simulieren. Die Höhenlage des Zermatt Marathons. Schon der Start in St. Niklaus liegt auf 1085 Meter über NN. Wie lange sollte man sich akklimatisieren, um eine optimale Leistung abrufen zu können.
Ärzte geben diesbezüglich zwei unterschiedliche Empfehlungen. Zum einen kann man direkt oder am Vorabend zum Wettkampf anreisen. Hier wird die Anpassungsphase quasi übersprungen. Die zweite Möglichkeit wäre eine Anreise fünf oder sieben Tage vor dem Marathon. Der Körper kann sich so gut an die Bedingungen vor Ort anpassen. Aus medizinischer Sicht ist ein Anreise von zwei bis drei Tagen vor dem Lauf die schlechteste Variante. Hier befindet sich der Körper gerade in der Umstellung und wird durch die sportlich Belastung noch zusätzlich beansprucht.
Das Rahmenprogramm auf dem Bahnhofsplatz in Zermatt war in der Vergangenheit eine gute "mentale" Einstimmung auf den Marathonlauf am nächsten Morgen.
Die Pasta-Party hat sich für viele Läufer zum Fixpunkt entwickelt. Am Vorabend werden wir wieder die Elite-Läufer vorstellen. Viele aus dem Elite-Feld sind ja schon viele Male bei uns gestartet. Die Hobbyläufer haben hier wirklich hautnahen Kontakt zur Spitzengruppe. Auf jeden Fall werden wieder unterschiedliche Guggenmusik-Bands spielen. Sie haben in der Vergangenheit mit ihrer fetzigen Musik für eine echt tolle Stimmung gesorgt.
Also Kohlehydrate mit einer riesen Portion Stimmung?
Genau, das wird auch 2010 sich wieder eine schöne Sache werden.
Dann folgt endlich der Tag des Zermatt Marathons. Die Läufer stehen am Start in St. Nicklaus. Wie kann man jetzt das Training optimal auf der Strecke umsetzten.
Auf keinen Fall sollte man sich anfangs zu einem zu schnellen Tempo verleiten lassen! Das ist wirklich wichtig, um später noch Reserven zu haben. Bereits auf der ersten Streckenhälfte bis Zermatt sind 500 Höhenmeter der insgesamt 1.944 Höhenmeter bergauf zu überwinden. Das wird leicht unterschätz! Also, relativ gemütlich angehen, danach hat man noch Kraft für die steilen Aufstiege zwischen Zermatt und Riffelberg.
Aber zuvor noch das Zuschauerspalier in der Bahnhofstraße genießen.
Zermatts Bahnhofstraße ist der Zuschauermagnete, ganz klar!
Nach dem Bad in der Menge wird's dann richtig ernst.
So kann man das sagen. Nach Zermatt folgt der Hauptanstieg. Erst zur Sunnegga und ab dem Hotel Riffelalp bei Kilometer 39 nochmals 400 Höhenmeter bis zum Ziel. Aber selbst wer in Zermatt knapp innerhalb der Kontrollzeit ankommt, der kann auf der zweiten Hälfte weite Abschnitte gehen und schafft es vor dem Kontrollschluss auf den Riffelberg.
Einige Passagen sollte man als Breitensportler doch ohnehin gehend einplanen?
Einige Steigungen bringen einen schon hart an die eigenen Grenzen. Es macht Sinn in den besonders steilen Passagen zu gehen. Eh rennen hier nur noch die wenigsten. Und als Breitensportler mit dem Tempo der Eliteläufer mithalten zu wollen ist schlichtweg unmöglich. In der zweiten Hälfte zeigt sich, wer sich das Rennen gut eingeteilt hat. Egal ob Elite oder Breitensportler.
Bei den Elite-Läufern ist der Zermatt Marathon sehr beliebt. Viele aus der Spitzengruppe kommen immer wieder ins Mattertal zurück.
Wir sehen das auch als großes Kompliment gegenüber allen Helfern der Veranstaltung. So ist zum Beispiel der Premierensieger 2002, Stefan Tassani-Prell aus Deutschland, jedes Jahr wieder am Start. Oder Lizzy Hawker aus Großbritannien, sie hat den Zermatt Marathon dreimal in Folge gewonnen. Leider musste sie 2009 aufgeben.
Also an der Spitze werden die Podestplätze ausgelaufen und im Hauptfeld wird auf der Strecke des Zermatt Marathons auch mal geheiratet.
In der Tat ja. Das Hochzeitspaar gehört übrigens auch zu unseren "Stammläufern". Bei unserem fünften Jubiläum hatten wir etwa 65 Läufer, die bis zum 10. Zermatt Marathon 2011 dabei sein wollen.
An der Gesamtteilnehmerzahl gemessen eine hohe Zahl von "Wiederholungstätern".
Wie gesagt, wir verstehen das auch als Kompliment von Läuferseite gegenüber allen ehrenamtlichen Helfern, die den Zermatt Marathon ermöglichen. Das ist wirklich eine tolle Bestätigung für die viele Arbeit im Vorfeld und während der Veranstaltung.
Neben den Stammgästen wollen jedes Jahr mehr Teilnehmer den Zermatt Marathon laufen. 2009 konnten sie mit 1600 Meldungen wieder einen neuen Teilnehmerrekord verzeichnen. Gibt es Grenzen?
Einerseits freuen wir uns natürlich über den Zuwachs an Läufern. Andererseits wollen wir den Zermatt Marathon auch seriös durchführen und allen Läufern optimale Rahmenbedingungen bieten. Deshalb ist momentan bei 2000 Teilnehmern Schluss! Mehr können wir augenblicklich organisatorisch nicht stemmen.
Bei dem Trend des Zermatt Marathons sollte man sich bald anmelden.
Schauen wir mal wie viele Läufer am 10. Juli 2010 in St. Niklaus am Start stehen. So wie es momentan aussieht, steuert unser Starterfeld wieder auf einen neuen Rekord zu.
Weiter Infos zum Zermatt Marathon und das Meldeportal finden interessierte Läufer auf der Website der Veranstaltung unter www.zermattmarathon.ch . Die Organisatoren führen auf ihre Homepage unter www.zermattmarathon.ch/Wettkampf/Unterkunft auch Infos für Läuferhotels in den Orten Zermatt und Täsch, sowie pauschale Läufer-Packages im Ort Grächen an.