Nach seiner bevorzugten Laufveranstaltung gefragt, muss Roman Schneider nicht lange überlegen: "Der Swissalpine Marathon ist für mich das schönste Lauferlebnis des Jahres." Speziell beeindrucken ihn auf den 78 Kilometern - sie führen von Davos nach Bergün, über die Keschhütte und den Scalettapass sowie zurück an den Ausgangspunkt - die idyllische Gegend mit der eindrücklichen Bergkulisse. "Die Natur erleben und spüren" ist etwas, das dem Läufer aus dem ländlichen Toggenburg behagt. Ebenso die abwechslungsreiche Topografie mit flachen Passagen sowie Auf- und Abstiegen, die immer wieder Tempowechsel erfordert.
Der Swissalpine Marathon stellt für ihn aber auch insofern ein "umwerfendes Erlebnis" dar, als ihn jedes Jahr seine Familie und viele Freunde begleiten und unterstützen. Auf Grund deren Anwesenheit laufe er jeweils nur so schnell, dass er nach vollbrachter Leistung noch weit bis nach Mitternacht mit ihnen feiern möge. Dennoch dürfen sich seine Zeiten sehen lassen: Auf der aktuellen Strecke steht der inzwischen 47-Jährige mit einer Bestmarke von 7:24:19 Stunden zu Buche, gelaufen im Jahre 2000. Den früheren, 67 Kilometer langen Rundkurs mit dem Sertigpass (2739 m ü. M.) als Kulminationspunkt meisterte er 1988 in 6:37:49 Stunden.
Mit der ursprünglichen Strecke verbindet Roman Schneider die eindrücklichsten Erinnerungen, und zwar sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Auf dem Sertigpass wartete stets seine Frau mit den Kindern - "ein überwältigendes Gefühl", blickt der begeisterte Sportler, der jährlich ungefähr 25 Läufe über verschiedene Distanzen absolviert, zurück. Eine lehrreiche Erfahrung stellte die fünfte Teilnahme am Swissalpine Marathon dar: "Ich schrieb alle meine besten Zwischenzeiten auf die Hand, setzte mich dadurch zu stark unter Druck und konnte mein gewohntes Potenzial nicht ausschöpfen."
Inzwischen zählt Roman Schneider zu den routiniertesten Läufern auf der Königsdistanz des Swissalpine Marathon. Der Herausforderung des grössten Berg-Ultramarathons der Welt stellt er sich am letzten Juli-Samstag - sofern es ihm die Gesundheit erlaubt - bereits zum 25. Mal und gehört damit dem Zirkel der acht Personen umfassenden Jubilare an. Im Vordergrund steht dabei die "innere Selbstfindung, begleitet von einer tiefen Lebensfreude sowie Glücksgefühlen und dass ich das Ziel bei hoffentlich schönem Wetter gesund, zufrieden und glücklich erreiche".
Bei der Premiere des Swissalpine Marathon wusste Roman Schneider noch keineswegs, was auf ihn zukommen würde. "Ich las damals, dass es einen Wahnsinns-Lauf in Davos geben würde", blickt er zurück. Der Verlockung, aktiv dabei zu sein, konnte er dann prompt nicht widerstehen. Zudem beabsichtigten er und seine Frau etwa zwei Monate nach der Geburt des zweiten von mittlerweile vier Kindern ein Wochenende ohne den Nachwuchs zu verbringen. Dass es letztlich von einem grossen Abenteuer gekrönt sein und sich zu einem Jubiläum entwickeln würde, war allerdings nicht geplant.