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Donnerstag, 9. September 2010

Interview mit Ingalena Heuck

Zwischen Halbmarathon in München und Olympia-Marathon 2012 in London

Ingalena Heuck traf in München das Maskottchen des München Marathon Joggl

Ingalena Heuck traf in München das Maskottchen des München Marathon "Joggl"

Der MÜNCHEN MARATHON begrüßt eine weitere prominente Starterin. Ingalena Heuck geht als amtierende Deutsche Meisterin beim Halbmarathon in München auf die Strecke. Dort will sie ihre persönliche Bestmarke knacken. Doch Ihr Blick geht schon weiter.

Der Glückszahl auf den Fersen: Am 10.10.10 um 10.00 Uhr fällt der offizielle Startschuss zur Premiere der 21,1km-Halbdistanz beim MÜNCHEN MARATHON. Für die Deutsche Meisterin Ingalena Heuck ein ganz besonderes Datum. Denn ihre Glückszahl ist die Vier. Und die Quersumme Vier soll ihr am 10.10.10 um 10.00 Uhr Beine machen.

Sie leben in München und starten am 10.10.2010 beim Halbmarathon im Rahmen des 25. MÜNCHEN MARATHON. Warum München?

Heuck: Ich lebe und studiere in München, starte für einen Münchner Verein, die LG Stadtwerke München, und fühle mich hier einfach wohl. Da war die Entscheidung nicht schwer. Vor allem auch, weil die Strecke schön ist und München ein ganz besonderes Flair hat. Ich verbinde sehr viel Positives mit München. Vor heimischem Publikum zu laufen macht einfach Spaß!

Welche sportlichen Erinnerungen und Gefühle verbinden Sie mit München?

Heuck: Ich komme ja aus der Nähe von München, genauer gesagt aus Starnberg. Mit der Stadt München verbinde ich meinen ersten 10 Kilometer-Lauf, beim Sylvesterlauf im Jahr 2002. Da habe ich knapp über 40 Minuten gebraucht. Das war mein einziger Lauf und Wettkampf, bei dem ich je über 40 Minuten gelaufen bin. Schon damals entdeckte ich die Euphorie für den Langstreckenlauf für mich. Auch beim München Marathon bin ich schon zwei Mal auf der 10 Kilometer-Strecke gestartet. Inzwischen studiere und lebe ich in München und fühle mich sehr wohl hier.

Wie sind Sie eigentlich zum professionellen Laufsport gekommen?

Heuck: Ich bin als 13jährige beim Lauf rund um den Weßlinger See entdeckt worden. Mit 14 Jahren bin ich dann zum TSV Gräfelfing gegangen. Davor hatte ich schon jahrelang Handball und Fußball gespielt und sehr viel Sport gemacht. Letztendlich aber kam ich über meine Familie, die Lauffreunde Hochstadt und den Landkreislauf zum Laufen. Ich habe dann auch mal pausiert, um anschließend wieder neu anzufangen mit der LG Würm Athletik. Dazwischen war ich längere Zeit im Ausland. Aus einer schwierigen Situation heraus habe ich dort das Laufen als Ausgleich für mich entdeckt. Das war die Stunde des Tages für mich. Zeit zum Nachdenken. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Nach der Rückkehr ins neue, alte Leben begann ich das Sportwissenschaftsstudium an der TU München und gleichzeitig wechselte ich zur LG Stadtwerke München und einem neuen Trainer - Pierre Ayadi aus Dortmund. Das Laufen rückte wieder mehr in den Vordergrund. Das Ergebnis waren in der Saison 2008 drei deutsche Junioren-Meistertitel und ein zweiter und dritter Platz bei den Frauen über 5000 und 10.000 Meter.

Bildergalerie

26. München Marathon 2011

Der Start des 26. München Marathon 2011 Ein München Highlight reiht sich beim Marathon an das Nächste. Durch Marathontor in das Olympiastadion Ziel des München Marathons im Olympiastadion

Können Sie sich ein Leben ohne Laufsport vorstellen?

Heuck: Nein, eigentlich nicht. Laufen ist für mich ein ganz wichtiger Teil. Es gehört schon fast zum Tag wie Essen und Schlafen (lacht!). Allerdings muss es nicht immer das "Laufen" sein, sondern allgemein die Bewegung hat einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben. Bewegung ist der beste Ausgleich und schafft Bewusstsein. Ich lerne meinen Körper kennen, erkunde meinen Grenzen, realisiere meine Umwelt viel intensiver. Derzeit lebe ich diese Erfahrungen sicherlich in einer extremen Intensität, aber auch ein Leben nach dem Leistungssport kann ich mir ohne körperliche Betätigung nicht vorstellen!

Was treibt Sie an? Woher kommt Ihre Motivation?

Heuck: Meine Motivation ist die eigenen Grenzen kennen zu lernen. Zu erfahren, was mein Körper leisten kann und worüber ich ihn auch steuern kann. Es ist extrem interessant, zu spüren, wie sich die Ernährung und mein Lebensstil zum Beispiel auf die Leistung auswirken. Ich möchte später auch in diesem Bereich arbeiten und andere Menschen zum Laufen motivieren. Man kann besser durch eigene Erfahrung etwas vermitteln, als durch theoretisch Erlerntes. Das ist für mich auch ein ganz wichtiger Beweggrund.

Motiviert Sie nicht auch Ihr Trainer?

Heuck: Natürlich sind mein Trainer, Pierre Ayadi, und ich ein Team. Wir ziehen an einem Strang, besprechen alles. Wir wollen gemeinsam weiteren Zielen näher kommen, da müssen wir gut kooperieren. Neben ihm arbeite ich noch mit einem Sportpsychologen und einem Ernährungsberater zusammen. Nur mit Blick auf die verschiedenen Bereiche kann es nach vorne gehen.

Apropos Trainer, ist die räumliche Trennung vom Trainer - er in Dortmund, Sie hier - ein Problem?

Heuck: Nein, das funktioniert sehr gut. Wir haben ja viel telefonischen Kontakt oder kommunizieren per E-Mail. Wir sehen uns auch regelmäßig an den Wochenenden zu einem Trainingsbesuch oder bei Trainingslagern. Wir haben mal zusammengerechnet: Im letzten Jahr waren wir rund zwei Monate zusammen in Trainingslagern, bei Wettkämpfen oder Wochenendtrainingsmaßnahmen. Die Trainingsbetreuung ist trotz der räumlichen Entfernung sehr intensiv. Ich vertraue ihm sehr. Das ist für mich ein ganz wichtiger Teil.

Welches Ziel wollen Sie als Läuferin in ihrer Karriere noch erreichen?

Heuck: Für mich ist das größte Ziel Olympia 2012. Ich möchte dort den Marathon laufen. Deshalb ist dieser Halbmarathon auch sehr wichtig für mich, weil ich meine Bestzeit verbessern möchte. Gleichzeitig ist das Laufen für mich wesentlich mehr. Es hat etwas ganz Persönliches. Bewegung ist ein so wichtiger Teil zur Erhaltung der Gesundheit, für das Wohlbefinden. "Laufen ist mehr" sage ich ganz gern und meine damit, dass neben dieser sportlichen Betätigung noch viel mehr mit Kopf und Körper geschieht.

In welche Richtung soll es bei Ihnen sportlich gehen? Welche Disziplinen sind interessant?

Heuck: Meine Orientierung geht zum Marathon. Auf dem Weg dorthin muss es natürlich auch zu einer Zeitverbesserung auf den 10.000 Metern kommen.

Sie konnten Ihre Zeiten in diesem Jahr auf allen Distanzen verbessern. Welche Zeit peilen Sie beim Halbmarathon in München an?

Heuck: Ja, ich bin bei den Deutschen Meisterschaften 1:14:54 in Bad Liebenzell gelaufen. Damals hatte ich gehofft, so um 1:14:00 laufen zu können, was auch die Deutsche B-Kader-Norm gewesen wäre. Die Bedingungen waren dort nicht optimal, weil es sehr heiß wurde. Auch ist ein Meisterschaftsrennen immer was anderes als ein Rennen, wo man alleine läuft und die Platzierung dann im Endeffekt gar nicht das Entscheidende ist. Ich würde mir wünschen in München unter 1:14 zu laufen und darauf trainiere ich jetzt. Und ich hoffe, dass ich heil bleibe und das dann auch umsetzen kann. Entscheidend sind natürlich auch die äußeren Bedingungen.

Sie studieren Sportwissenschaften an der TU München. Ist die Theorie gut für's Training?

Heuck: Ja, man bekommt viele Hintergrundinformationen. Ich bin ein bisschen ein Kopfmensch. Und wenn ich dann Dinge erfahre, denke ich drüber nach und möchte Sie dann integrieren. Manchmal ist das aber gar nicht so gut (lacht!). Grundsätzlich lernt man aber doch immer wieder was Neues. Wenn man das reflektiert und betrachtet kann man sicherlich davon profitieren. Das Studium bringt mir auch sehr viel als Ausgleich zum sportlichen Training.

Nutzen Sie neueste Erkenntnisse der Wissenschaft und neueste Trainings-Methoden?

Heuck: Teilweise ja. Gerade in den ergänzenden Trainingsbereichen, wie Krafttraining, Stabilisierungstraining. Da gibt's immer mal wieder innovative Geräte, die ich ausprobiere und einbaue. Grundsätzlich aber, was die Kerneinheiten angeht, das macht sowieso mein Trainer. Da diskutieren wir natürlich auch mal drüber, aber grundsätzlich ist das sein Bereich und ich schau für mich, was ich noch ergänzend machen kann.

Wie viel trainieren Sie?

Heuck: Das ist ganz abhängig von der Phase. Die aktuelle Woche ist eine Art Trainingsvorbereitungswoche. Entsprechend komme ich auf 160 Kilometer in der Woche, was aber wirklich eine sehr intensive Woche ist. Im Durchschnitt laufe ich so zwischen 100 und 120 Kilometer pro Woche. In der Halbmarathonvorbereitung ist es etwas mehr. In der Bahnsaison sind es dann etwas weniger, um die 90 bis 100 Kilometer.

Wie entspannen Sie nach dem Training oder einem Wettkampf?

Heuck: Für mich ist ganz entspannend, wenn ich in die Sauna gehe. Nicht unbedingt direkt nach einem Wettkampf, aber in eine normale Trainingswoche integriert. Für mich ist Entspannung auch gutes Essen, auch mal ein Stück Schokolade. Ich würde gar nicht sagen, dass das Training für mich immer so belastend ist. Natürlich ist eine Trainingseinheit hart. Aber ich sage nicht ich brauche jetzt ganz bewusst was ganz Entspannendes. Ich bin schon ein Mensch, der viel Energie hat. Für mich ist auch Entspannung mit anderen Menschen zu arbeiten und Zeit mit Freunden zu verbringen.

Wenn Sie sich nicht dem Laufsport verschrieben hätten, welche andere Sportart würde Sie reizen?

Heuck: Also mich reizt schon zum Beispiel der Triathlon. Aber Triathlon ist trainingsmäßig noch mal eine Stufe extremer. Extremer als ein Langstreckentraining. Aber ich habe schon einige Triathlons gemacht und hatte viel Spaß dabei. Früher habe ich auch Handball oder Fußball gespielt. Das waren Sportarten, die mir viel Freude bereitet haben. Aber für mich ist das Laufen inzwischen die Sportart in der ich mich wohl fühle. Weil ich es gut kombinieren kann mit meiner Zeit für mich und der Arbeit mit anderen Menschen. Und deshalb möchte ich mir grad gar keine andere Sportart vorstellen.

Was wünschen Sie sich am Marathontag in München?

Heuck: Ich wünsche mir ganz, ganz viele Zuschauer, viele Fans, die mich anfeuern. Und nicht so heiße Temperaturen! Windstill sollte es sein. 15 bis 18 Grad wären optimal. Lockere Beine und ganz viel Spaß. Und das wünsche ich mir auch für alle anderen Marathon- und Halbmarathonläufer, dass Sie Spaß haben und auf den eigenen Körper hören und nicht über Ihre Grenzen gehen. Einfach auch ein gesundes Maß zum Sport auch haben.

Textquelle: Pressemitteilung; Bildermaterial: © München Marathon
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